06.08.2011 / Allgemein / /

Wenn der Druck zunimmt

Der Druck einer Gesellschaft im Wandel setzt den
Menschen zu. Sie sind mit existentiellen Fragen konfrontiert, spüren die Folgen
der Beschleunigung der Arbeitswelt, haben Respekt und zum Teil auch Angst.
Respekt und Angst vor den gesellschaftlichen Veränderungen, vor den
Herausforderungen einer ungewissen Zukunft, vor den hohen Bildungs- oder gar
Weiterbildungserwartungen ihres Umfeldes und ihrer Arbeitgeber.

Auch Eltern, losgelöst von ihrer Integration auf
dem Arbeitsmarkt, spüren den mannigfachen Druck, welcher die Gesellschaft auf
sie und ihre Kinder ausübt. Namentlich Eltern mit kleinen Kindern oder
Schulkindern nehmen die gesellschaftlichen und demographischen Veränderungen
sehr wahr. Sie leben in einer älterwerdenden Gesellschaft, in einem Umfeld,
welches von einer Vielfalt von Lebensformen geprägt ist. Das alles verunsichert
und fordert heraus. Eltern haben sich bewusst für eine Biographie mit Kindern
entschieden, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Eltern übernehmen
Verantwortung – doch sie werden auch zur Verantwortung gezogen, ob zu Recht oder
Unrecht sei dahingestellt. Fakt ist: Eltern spüren ganz besonders den
vielfältigen Druck.

Leistungsdruck, Zeitdruck, Organisationsdruck,
Erziehungsdruck, Anforderungsdruck und Finanzdruck sind nur einige Stichworte.
Sie verdeutlichen aber die gestiegenen Anforderungen an Eltern aller
Sozialschichten. Selbstverständlich hat Druck sowohl eine subjektive wie auch
eine objektive Komponente.

  • Subjektiv, weil die Befindlichkeit jedes Einzelnen
über die Wahrnehmung des Druckes entscheidet.
  • Objektiv, weil in unserer Wissens- und
Technologiegesellschaft die Anforderungen an die Bewältigung des Alltages, also
auch des Berufs enorm gestiegen sind.

Eltern aller Sozialschichten spüren diese
Drucksituationen. Für sie bedeutet ein Leben mit Kindern primär Glück und Sinn
und doch nehmen sie die vielfachen Spannungen wahr, die mit einem Familienleben
verbunden sind. Ihre Werte, ihre familiären Werte stehen jenen Werten unserer
wettbewerbsorientierten und fordernden Wirtschaft gegenüber. Dieser
Wettbewerbsgedanke hält zunehmend auch Einzug in die Familien. Eltern wünschen
optimale Startchancen, suchen die besten Angebote und wissen dennoch oft nicht
welche dieser Angebote wirklich den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden.
Diesem Bildungs- und Anforderungsdruck des mittleren und oberen Mittelstandes
steht der real existierende Finanz- und Integrationsdruck der bildungsfernen
Familien gegenüber. Die Herausforderungen sind somit deren viele.

Es muss uns allen aber ein Anliegen sein, dass die
heutigen Erwartungen an die Familien unseres Landes angesprochen werden, denn
der Druck muss der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit weichen. Familien
brauchen Raum, um sich auszutauschen, Zeit um Familie zu leben, Verständnis der
älterwerdenden Gesellschaft statt Schuldzuweisung.

Die Leistungen der Familien müssen vermehrt
wertgeschätzt und anerkannt werden. 
Familien müssen auch und vor allem in ihren Kompetenzen gestärkt werden,
um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.

Je höher die Anforderungen an die Eltern sind,
desto höher sind auch diejenigen an die Elternbildung. Eltern brauchen
Angebote, die ihre Kompetenzen umfassend und nachhaltig stärken, dies im
Wissen, dass nicht alle Eltern das Gleiche benötigen. Sie müssen in die Lage
versetzt werden, ihr Lebenskonzept auch umsetzen zu können. Elternbildung
braucht die aktive Förderung und Unterstützung durch die Politik auf kantonaler
Ebene und auf Bundesebene, denn sie dient der Prävention und der Integration.