Generationenpolitik

Generationenpolitik

Unsere Verpflichtung dem Menschen gegenüber hat zur Folge, dass wir immer wieder über das Verhältnis des Menschen zum Staat und zu seinen Mitmenschen nachdenken müssen, denn es ist eine immerwährende Aufgabe, die Errungenschaften in Hinblick auf die kommenden Generationen kritisch zu hinterfragen. Wir müssen um ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen den Generationen besorgt sein. Die Würde, die Freiheit und die Selbstständigkeit jeder Person, auch unserer Kinder und Grosskinder, ist von grosser Bedeutung und darf nicht der Schrankenlosigkeit und der Willkür einer Generation ausgesetzt werden.

 Die heutigen Generationen

Im 19. Jahrhundert lag der mittlere Wert des Generationenabstands bei ca. 35 Jahren, dieser Wert sank in der Mitte des 20. Jahrhunderts um einige Jahre, doch bereits zu Beginn dieses Jahrtausends vergrössert sich erneut der Generationenabstand. Viele Faktoren haben zu dieser Veränderung geführt, erwähnt seien hier lediglich der medizinische, der soziale und wirtschaftliche Fortschritt. Damit einher ging eine Veränderung der Wertvorstellungen, welche zu einer Vielfalt der Lebensformen führte.

Eine wachsende Zahl Menschen lebt alleine, es sind jüngere aber auch ältere Menschen. Eine wachsende Zahl Menschen hat keine Nachkommen und viele Eltern haben weniger Kinder als sie ursprünglich sich hätten vorstellen können. Die demographische Veränderung unserer Gesellschaft interpelliert uns alle, denn es darf nicht sein, dass wir – die Erwachsenen von heute – auf Kosten unserer Kinder leben. Uns ist bewusst, dass die Thematisierung der Generationenfrage sehr unterschiedliche Gefühle weckt, die einen sprechen despektierlich und abschätzig von Alterslast oder gar Überalterung der Gesellschaft, die anderen sprechen von der Notwendigkeit einer generationsübergreifenden Solidarität und meinen dennoch oft nur jene gegenüber den älteren Menschen.

 Auch wenn das Verhältnis zwischen den Generationen nach wie vor ein gutes ist, müssen wir uns mit den Folgen der heutigen Politik auseinandersetzen und vermehrt das Augenmerk auf eine nachhaltige Gesellschaftspolitik legen.

 Die Generationenbilanz

 Es gibt zwei Sichtweisen, die Generationenfrage anzugehen, die eine ist die ökonomische, die uns ermöglicht die sogenannte Nachhaltigkeitslücke in den Vordergrund zu setzen, die andere Sichtweise ist die soziale, jene der Generationenbeziehungen.  

 Die erste Generationenbilanz unseres Landes beruht auf Zahlen von 1997 und gibt einen Blick auf die ausgewiesene Verschuldung und auf die Folgen für die kommenden Generationen. Sie zeigt – auch wenn sie bereits veraltet ist – die wahre Nachhaltigkeitslücke. Mit anderen Worten sie zeigt auf, dass wir auf Kosten der kommenden Generationen leben. Dies hat mit Gerechtigkeit und Verantwortung wenig zu tun, denn es ist unsere Pflicht nicht nur durch unsere eigene Arbeit unser Leben zu gestalten, sondern auch gleichzeitig ein Beitrag zum Gemeinwohl der kommenden Generationen zu leisten.

Wenn wir aber gemäss unserem Verständnis von ethischem Handeln Verantwortung und Menschenwürde in den Mittelpunkt setzen, dann müssen wir Fragen aufwerfen. Und der Fragen sind deren viele:

Verteilen sich die Lasten in vertretbarer Weise auf die heute lebenden und auf die zukünftigen Generationen?

  • Wie können – in einer direkten Demokratie – die Auswirkungen des demographischen Alterns über Veränderungen auf der Finanzierungs- und Leistungsseite, sowie über eine Anpassung des Rentenalters aufgefangen werden?
  • Wie können Eltern ihre vielfältigen  Erziehungs- und Betreuungsaufgaben wahrnehmen ohne langfristige Schlechterstellung gegenüber Kinderlosen?
  • Wie sind die Beziehungen zwischen den Generationen zu gestalten, damit das Spannungsfeld zwischen Eigenständigkeit und Abhängigkeit den sozialen Zusammenhalt nicht gefährdet?

Es ist Aufgabe der Politik Antworten auf diese und weitere Fragen zu liefern.

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