25.05.2011 / Allgemein / /

Pendlerzeit oder doch lieber Familienzeit!

Pendlerzeit auf Kosten der Familienzeit?

Für immer mehr Menschen sind Wohnort und Arbeitsort nicht mehr identisch. Im Jahr 2000 waren gemäss Bundesamt für Statistik bereits 58% der Personen ausserhalb ihres Wohnortes erwerbstätig. Die Agglomerationen wurden zu Gravitationszentren des Pendlerverkehrs. Fast im Gleichschritt wurden Familien aus den Agglomerationen verdrängt. Viele ziehen in die grösseren und kleineren Gemeinden im Umfeld der Zentren. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahrzehnten akzentuiert und wird sich angesichts der steigenden Mietpreise in den Agglomerationen noch verschärfen. Somit wird die Distanz zwischen dem Wohnort und dem Arbeitsort der Eltern noch weiter zunehmen.

Nicht nur aus Sicht der Umwelt und der Infrastrukturbelastung, sondern sehr wohl auch aus Sicht der Arbeits- und Gesundheitsökonomie und der Effizienz müssen sich Unternehmen in Zukunft vermehrt Gedanken zur örtlichen Flexibilität machen. Auch wenn Mobilität nicht als solches schlecht ist, gilt es, die damit verbundenen Probleme, die sich Familien stellen, zu beachten. Je länger der Arbeitsweg, desto schwieriger wird die Gestaltung des Familienlebens. Die längere Abwesenheit der Eltern, die fehlenden gesellschaftlichen Strukturen und Betreuungsinfrastrukturen haben zur Folge, dass Kinder, namentlich Schulkinder und Jugendliche, sich selber überlassen sind und Eltern vermehrt unter Druck geraten. Je länger der Arbeitsweg desto grösser werden auch die gesundheitlichen und sozialen Probleme. Längere Arbeitswege schränken die partnerschaftlichen und familialen Beziehungen ein. Doch Zeit ist und bleibt ein wichtiger Faktor für die Gestaltung guter innerfamiliären Beziehungen. Schliesslich verhindern längere Arbeitswege auch die Übernahme von gesellschaftlich notwendiger ehrenamtlicher Arbeit, die sehr oft von Familienangehörigen wahrgenommen wird und allen Generationen dient.         

Forderung nach neuen Zeitmustern

In unserer Dienstleistungsgesellschaft spüren vor allem Familien mit Kindern oder erwachsene Kinder mit betagten Eltern (Work-Care) die neuen Mobilitäts- und Zeitmuster Die längeren Abwesenheiten, die Beschleunigung in der Arbeitswelt wie auch die Tatsache, dass die Berufszeit immer mehr in die Familienzeit hineindrängt, haben zur Folge, dass die gemeinsamen Zeitstrukturen nur noch verhandelbar sind.

Daher wird der Ruf nach grösserer Zeitautonomie immer lauter. Eltern äussern den Wunsch nach mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität im Sinn von Telearbeit oder Home Office Tagen. Dieser Ruf verhallt nach wie vor allzu oft. Es erstaunt, dass die bestehende Kluft zwischen Nachfrage und Angebot nicht verringert wird, denn die heutige Informations- und Technologiegesellschaft sollte die alternierende Telearbeit (home office days) fördern. Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand: es seien hier nur die höhere Motivation und Produktivität, die Bindung ans Unternehmen oder die Entlastung der Infrastruktur erwähnt. Selbstverständlich setzt diese Arbeitsform Vertrauen und ein Management by objectifs voraus. Wer eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt, wird die Vorteile messen können.

Verfügen Arbeitnehmende mit Familien über die gewünschte Zeitautonomie, können sie nicht nur die Pendelzeiten reduzieren und mehr Freiheiten geniessen, sondern und dies ist für Familien besonders wichtig, sie können für kurze Zeit die Arbeit unterbrechen, um den Bedürfnissen eines Kindes oder betagten Angehörigen gerecht zu werden. Die dadurch erfolgten kurzen Unterbrechungen können problemlos wieder eingeholt werden, indem etwas länger oder zu anderen Zeiten gearbeitet wird. Selbstverständlich setzt dies einen hohen Grad an Autonomie und Disziplin voraus. Eine Voraussetzung die heute von ganz vielen Mitarbeitenden mitgebracht wird, denn sie spüren das in sie gesetzte Vertrauen. Das motiviert und stärkt!

Diese alternierende Home Office Arbeit wird von sehr vielen gewünscht – und zwar nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern primär aus Gründen der Vereinbarkeit der verschiedenen Ansprüche, die Familienangehörige stellen.