27.08.2012 / Allgemein / /

Dezidiertes JA zur Musikförderung

Lebenswichtige Für-, Mit-, Von-, Auf- und Zu-Bezüge

Noch fehlt aber ein Bundesverfassungsartikel zur Musik. Es ist nun Zeit, dieses Versäumnis endlich nachzuholen, denn der Sport und seine Förderung sind seit langem Verfassungsauftrag.

Musik und Sport dienen der Entwicklung des Kindes, stärken seine Beweglichkeit sowie die Musikalität und fördern seine Sozialkompetenzen. Wer ein Kleinkind beobachtet, spürt, wie sehr nicht nur Sport sondern auch Musik eine wichtige Rolle spielt, kaum kann es sich selbständig im Raum bewegen, übernimmt es den Rhythmus der Musik, tanzt, hüpft und imitiert.

Beweglichkeit und Musikalität gehören zusammen, doch im Laufe der Jahre lassen wir vor allem das Musische verkümmern. Und dies, obschon Singen und Musizieren wesentliche Faktoren in der Menschenbildung sind. Wer sich mit der Wirkung der Musik auf die Entwicklung unserer Kinder auseinandersetzt, weiss, dass diese die Entwicklung anderer Fähigkeiten unterstützt. So konnte z.B. das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in einer Langzeitstudie belegen, dass die Beschäftigung der 6- bis 12- Jährigen mit Musik dazu führt, dass die Sprachentwicklung schneller und deutlicher ausgeprägt ist, insbesondere in Bezug auf die Syntax und den Bau von Sätzen.

Musikalische Bildung dient der ganzheitlichen Entwicklung des Kindes, sie fördert seine Intelligenz, unterstützt das Erlernen von sozialen Kompetenzen und öffnet dem Kind den Zugang zur Kreativität und zur Gefühlswelt.

Das Erlernen spezifischer Lebens-Kompetenzen ist für unsere Gesellschaft sehr wichtig: Lebenskompetenzen, die da wären: Miteinander-Schaffen, Voneinander-Lernen, Aufeinander-Zugehen, Füreinander-Dasein. Diese Kompetenzen fördern nicht nur den Zusammenhalt, sondern erlauben dem Menschen zu spüren, dass es auf seinen Einsatz ankommt, er übernimmt mit anderen die Verantwortung für das Gelingen des Ganzen. Diese Kompetenzen erlernen Kinder während dem Musizieren, dem gemeinsamen Auftreten, dem Singen im Chor, dem Mitspielen in der Schulband oder im gezielten Musikhören.
Heute aber haben längst nicht alle Kinder einen Zugang zur Musik, obschon Musik in ihrer frühen Kindheit sie zur Bewegung animiert und ihre Beweglichkeit fördert. In vielen Familien verkümmert die Lust an der Musik. In anderen wiederum fehlen die finanziellen Mittel zur Förderung der musikalischen Bildung der Kinder. Deshalb sollten alle Kinder ab Schulbeginn die Chance erhalten, eine musische Ausbildung zu geniessen. Wenn gewünscht, die Möglichkeit ein Instrument zu lernen und, wenn immer möglich, in einem Ensemble ihrer Wahl zu musizieren.

Musikalische Bildung in der Schule fördert dieses geforderte Miteinander-Schaffen, dieses Voneinander-Lernen, dieses Aufeinander-Zugehen, dieses Füreinander-Dasein. Diese Qualitäten sind fundamentale Bedingungen für eine lebendige Gemeinschaft.

Die Förderung der musikalischen Bildung muss uns allen ein grosses Anliegen sein. Sie bedarf, wie dies das eidgenössische Parlament fordert, eines eigenen Artikels zur musikalischen Bildung. Denn Musik ist, gleich wie der Sport, ein eigenständiges Fach von übergeordnetem Interesse für unser Land.

Wenn wir Kinder fördern wollen, wenn wir einen Beitrag zu ihrer Entwicklung leisten wollen, wenn wir ihnen den Zugang zu ihren Gefühls-, Kreativitäts- und Sozialkompetenzen eröffnen wollen, müssen wir den Stellenwert der Musik in unseren Schulen stärken und ein dezidiertes JA in die Urne im September legen.