15.03.2011 / Allgemein / /

Politik für alle Familien – Kluger Mix gefordert, damit Wahlfreiheit Realität wird

Über den höheren Kindersegen, der uns das letzte Jahr beschert hat, dürfen wir uns als Gesellschaft freuen. Doch die demographische Herausforderung bleibt, denn der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft wird weiterhin wachsen. Es bräuchte viel mehr Kinder, wollte man ein langfristiges Gleichgewicht zwischen den Generationen erreichen.

Die grosse Mehrheit aller Frauen, die sich für ein Kind entscheiden, sind älter als 30. Die Anzahl jener, die bei der Erstgeburt über 35 Jahre alt sind, steigt kontinuierlich. Längere Ausbildungszeiten, der dadurch verzögerte und gewünschte Einstieg ins Erwerbsleben sowie die individualisierten Lebensläufe haben zur Folge, dass der Kinderwunsch oft aufgeschoben wird.

Es genügt nicht, die Kinder willkommen zu heissen und zu hoffen, dass sie in einem stabilen und warmen Zuhause gedeihen können. Vielmehr müssen wir uns fragen, ob sie und ihre Eltern sich in dieser pluralistischen Gesellschaft entwickeln und entfalten können. Sind Eltern heute in der Lage, die Gestaltung ihres Familienalltags frei zu wählen, oder begegnen sie nicht eher vielen Hürden auf dem Weg der so oft geforderten Wahlfreiheit?

Familien brauchen Zeit, Infrastrukturen, Einkommen und faire Chancen. Die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik müssen die Rahmenbedingungen so setzen, dass die übernommene Verantwortung für die jüngere wie auch für die ältere Generation von allen Familien wahrgenommen werden kann. Ob Einverdiener-Familien oder Doppelverdiener-Patchwork-Familien, ob klassische, vertauschte oder gemischte innerfamiliäre Rollenverteilung, ob junge Familien oder Familien in späteren Lebensphasen mit Verantwortung für die älter werdende Generation – alle sollten die Möglichkeit haben, frei entscheiden zu können, auf welche Weise sie füreinander Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen wollen.

Dazu braucht es die bestmöglichen Rahmenbedingungen – ein kluger Mix aus zeitlichen, infrastrukturellen und finanziellen Unterstützungsangeboten. Familien brauchen Zeit, um für einander da zu sein. Unternehmen sind aufgefordert, sich vermehrt mit den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden auseinanderzusetzen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung würde den Wert gewisser Flexibilität im Berufsalltag aufzeigen und einen Beitrag zu mehr Familienfreundlichkeit im Unternehmen leisten. In Zukunft werden Unternehmen vermehrt am Kriterium „Vereinbarkeit“ gemessen. Familien brauchen aber auch Infrastrukturen für die familienergänzende Betreuung wie Krippen, Horte, Mittagstische aber auch Tagesheimplätze und Entlastungsmöglichkeiten für ältere Menschen. Diese Infrastrukturen ermöglichen den Familien, eigenständig ihren wirtschaftlichen Alltag zu bestreiten und tragen wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität und zur Reduktion der Familienarmut bei. Schliesslich brauchen Familien auch finanzielle Unterstützung und Entlastung, um ihre Kaufkraft kurz-, mittel- und langfristig zu sichern und die bereits heute spürbare Erosion ihrer Kaufkraft zu stoppen.

Es braucht faire Chancen für alle Familien. Es braucht eine nachhaltige Familienpolitik, die entlang der unterschiedlichen Bedürfnisse von Familien ausgerichtet ist. Familien sind vom ersten Kind bis hin zur Unterstützung im Alter immer neuen Herausforderungen ausgesetzt. Eine kluge Familienpolitik fördert Nachhaltigkeit, Zusammengehörigkeit, sichert den sozialen Zusammenhalt und berücksichtigt die demographische Entwicklung.